Egon Pukall - Fernes nahes Land  

Ausstellung | 1. Oktober - 19. November 2011 

Sehnsucht war ein zentrales Thema in den Bildern und im Leben des Dresdner Malers Egon Pukall. Gemeinsam mit anderen Künstlern des Dresdner Elbhangs, deren Treffpunkt bezeichnender Weise das Café Toscana war, träumte er vom Mittelmeer, von seinem Licht und seinen Farben. Pukalls verstörend fremd und zugleich vertraut scheinende Landschaften sind Metamorphosen des Nahen in ein Fernes hinein. Und so leuchtet in den unter freiem Himmel gemalten Bildern eines Steinbruchs hinter Bautzen die Sonne des Midi.

Erst am Ende seines Lebens hat man dem schwer erkrankten Maler die Reise nach Südfrankreich gewährt. Dort, an der Côte d’Azur, in Villeneuve und Nizza, in Vence, San Remo und Genua wandelte er auf den Spuren der Impressionisten, die ihn in seiner Anfangsphase geprägt hatten. Früh schon hatte er Gauguin studiert, hatte sich an Van Gogh, Monet aber auch an den deutschen Expressionisten geschult. So wurde die Farbe das primäre Gestaltungsmittel seiner Malerei.

Durch die Bekanntschaft mit den Dresdner Konstruktivisten Hermann Glöckner und Manfred Richard Böttcher, beeinflusst vom Fauvismus eines Henri Matisse und der Farbfeldmalerei eines Mark Rothko wurden seine Kompositionen in den 70er Jahren zunehmend abstrakter und strenger. Eigentliche Triebfeder seines Schaffens blieb dabei jedoch immer das optische Erlebnis, die Sinneswahrnehmung - die Malerei selbst.  

Egon Pukalls formbewußte und subtil auslotende Malhaltung beschrieb Ingrid Wenzkat einmal so:

Seine Malerei ist von Ausgeglichenheit und feiner Distanz, sie schafft Bildmusiken von eigener Klarheit, denen die ungewöhnliche Farbfindung die Spannung erhalten.

Die zahlreichen Interieurs und Fensterbilder - offensichtlich ein Hauptthema seiner Arbeit - zeichnen sich durch reine Farbflächen, stille Harmonie und Ausgewogenheit aus. Es sind auf das Wesentliche reduzierte Räume, die nahezu leer und nur sparsam möbliert sind. Man kann diese Innenräume als Gleichnisse für die Begrenztheit und Beengtheit des Daseins lesen. Nicht selten aber öffnen sie sich, um den Blick des Betrachters auf die Außenwelt zu fokussieren.

Dieser Blick nach draußen erhält bei Pukall oft eine emotionale Verdichtung. So ist manchmal eine Stimmung gedämpfter Melancholie zu spüren, manchmal ein Anflug von Hoffnung und froher Erwartung. Das Fenster bildet die Grenze zwischen Innen und Außen, zwischen Wirklichkeit und Illusion. Es gibt den Blick frei auf den Elbhang, der zuerst auf die Heimat, im nächsten Moment aber auch auf die Ferne und durch das mediterrane Flair auf den Süden verweist.

Krambambuli, Vernissage Egon Pukall

Vernissage  

30. September 2011  | 20 Uhr

Einführung: Anja Himmel
Musik: Krambambuli